Trompe-l´œil Tafelbilder
Auch der Ausdruck Trompe-l’œil wird unterschiedlich interpretiert. Dekorationsmaler verstehen darunter oft nur die Darstellung plastischer Ornamente in Grisaille-Technik oder die Imitation von Stuck– und Architekturelementen. Als Spielart der Kunstmalerei hat sich das Trompe-l’œil-Bild, ausgehend von den gemalten Scheinarchitekturen auf der Außenseite von Altarflügeln, zum Tafelbild mit »als-ob-Charakter« entwickelt. Neben den über Jahrhunderte beliebten gemalten Nischen, Steckbrettern, Jagdtrophäen und dergleichen machen die Künstler des 20. Jahrhundert vor nichts mehr Halt, um den erstaunten Betrachter mit gemalten Kuriositäten, die zum Nachdenken anregen, zu überraschen – vom Embryo im Weckglas bis zur Bohrmaschine, die in der dicken Holzbohle feststeckt. Diese Tafelbilder sind unabhängig vom übrigen Raum zu betrachten. Die auf ihnen dargestellte Scheinwelt ist formal abgeschlossen und lässt sich in jeder Galerie an die Wand hängen.
Von hier ist nur ein kleiner Schritt zum Begriff des Illusionismus, der in der Malerei mehr bedeutet als Trompe-l’œil, nämlich ganz allgemein die täuschende Nachahmung von Wirklichkeit. Trompe-l’œil ist ein Sonderfall der illusionistischen Malerei. Doch nicht jedes illusionistische Bild will den Betrachter veranlassen, den dargestellten Gegenstand für tatsächlich existent zu halten.
Abgesehen davon wird der Begriff »Trompe-l’œil« frei verwendet, etwa wenn man ihn mit »Illusionsmalerei« gleichsetzt, wobei er dann jede der vier oben genannten Gattungen beinhaltet. Als »Illusionsmalerei« beziehungsweise Trompe-l’œil wird aber auch fälschlicherweise alles bezeichnet, was auf eine Wand oder ein Möbelstück gemalt wird und gegenständliche Assoziationen weckt, unabhängig vom Niveau der Ausführung (zum Beispiel »Illusionsmalerei« mit Schablonen). Illusionsmalerei kann selbstverständlich erst dort beginnen, wo Illusionen über den Wirklichkeitscharakter des Dargestellten entstehen und eine gewisse Künstlerschaft und Souveränität am Werk ist – und so sind die netten Details meist doch nur malerische Dekoration oder Illustration.